Expert Contributor:
Julia Nowak
Naturschützer und ethisch handelnde Jäger geraten oft zu Unrecht in den Schatten der Wahrnehmung, lediglich als Entnehmer oder gar als bloße Überbringer des Todes gesehen zu werden. Doch das entspricht nicht der Wahrheit. Lizenzierte Jäger, die sich an strenge Vorschriften halten und ethisch handeln, sind ein integraler Bestandteil der modernen Wildbewirtschaftung. Im Gegenteil: Sie sind es, die nicht nur maßgeblich zum Wohlergehen des Wildes beitragen, sondern ihr Wissen auch dadurch vertiefen, dass sie ihre Zeit damit verbringen, die natürlichen Abläufe in der Tierwelt aus der Distanz zu beobachten.
Pulsar Ambassador Julia Nowak, ursprünglich aus Polen und heute in Schweden lebend, ist Jägerin in dritter Generation. Sie wuchs umgeben von Pirschzeichen, Fährtenlesen und der Sprache der Jagd auf. Geleitet vom tiefen Respekt ihres Vaters gegenüber der Natur trägt sie dieses Ethos in ihre eigene Arbeit weiter – nicht nur als leidenschaftliche Jägerin, sondern auch als jemand, der wissenschaftlich in diesem Bereich geforscht hat. In ihren Überlegungen teilt Julia sowohl ihr Verantwortungsbewusstsein in der modernen Jagd als auch die wichtige Rolle, die zeitgemäße Technologie dabei heute spielt.
Als aktive Naturschützerin argumentiert Julia, dass Jäger die besten Fürsprecher des Wildes sind. Indem sie unzählige Stunden im Freien verbringen – bei Regen oder Schnee, in Dunkelheit oder Dämmerung –, erhalten sie das Privileg, den natürlichen Rhythmus von Lebensräumen mitzuerleben: ihre Hierarchien, sozialen Interaktionen, Äsungsgewohnheiten und Paarungsverhalten. Eine derart kontinuierliche Beobachtung setzt zwangsläufig echte Fürsorge für die Arten und ihr Wohlergehen voraus.
„Die Kombination all dessen macht Jäger zu denjenigen, die den lokalen Bestand verschiedener Wildarten am besten kennen. Dieses Wissen ist der Schlüssel zu einer sachgerechten Bewirtschaftung. Je mehr Informationen wir haben, desto bessere und präzisere Entscheidungen und Maßnahmen können wir treffen“, sagt Julia.
Die Erhebung kritischer Daten – etwa zur Anzahl vorhandener Arten, zu Aktivitätsmustern, zur Geschlechter- und Altersstruktur, zum allgemeinen Gesundheitszustand sowie zu Verhaltensweisen – fungiert als wissenschaftlicher Kompass. Sie ermöglicht es Naturschützern und Jägern, verantwortungsvolle und fundierte Entscheidungen zu treffen, die ein gesundes ökologisches Gleichgewicht erhalten und sicherstellen, dass Wildbestände langfristig gedeihen.
Auf die häufig geäußerte Kritik an Jägern angesprochen, ist Julia überzeugt, dass diese vielfach aus mangelndem Wissen resultiert. Bei begrenztem Verständnis urteilen Menschen auf Grundlage dessen, was sie zu wissen glauben, ohne den entscheidenden, fehlenden Teil des Gesamtzusammenhangs zu erkennen. „Ich glaube, dass Statistiken, Zahlen und Fakten sich am Ende immer selbst verteidigen“, sagt sie. Und ergänzt: „Sobald man versteht, wie etwas funktioniert, wird es leichter zu begreifen, wie es sich auf alles andere auswirkt.“
In einer Zeit rasanter technologischer Innovation ist es nahezu unmöglich, vom Fortschritt unberührt zu bleiben. Zahlreiche Arbeitsbereiche des Menschen haben von diesen Veränderungen profitiert – Prozesse sind schneller und effizienter geworden, Ergebnisse präziser. Naturgemäß hat sich auch die Jagd weiterentwickelt. Bei Wahrung der grundlegenden Prinzipien jagdlicher Fertigkeiten und Kenntnisse eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten für ein wirkungsvolleres Monitoring und eine ethisch verantwortungsvolle Jagd. „Gerade heute, da viele Arten nachtaktiv sind und andere durch menschlichen Einfluss und Prädationsdruck zunehmend nachtaktiver werden“, ergänzt Julia.
„Wir können Tiere mitten in der Nacht beobachten, wenn sie eher dazu neigen, offene Flächen aufzusuchen – was uns eine klare Sicht auf sie ermöglicht. Für uns ist es dabei einfacher, unentdeckt zu bleiben. So können wir natürliches Verhalten und soziale Interaktionen beobachten, Geschlechter- und Altersstrukturen analysieren und den allgemeinen Gesundheitszustand ganzer Gruppen oder gezielt einzelner Tiere beurteilen – manche gesundheitlichen Probleme lassen sich anhand von Wärmeunterschieden deutlich leichter erkennen, als wenn man das Tier lediglich mit bloßem Auge betrachtet.“
Wärmebildoptik erweitert die Sicht des Jägers unter ungünstigen Bedingungen und ermöglicht es ihm, seine Fähigkeiten mit größtmöglicher Sicherheit einzusetzen. Durch das zusätzliche Wahrnehmungsfähigkeit erhöht die Wärmebilddarstellung zudem die Sicherheit – sowohl für Jäger als auch für Wild. „Wildschweine, die für erhebliche Wildschäden auf Feldern verantwortlich sind, treten oft von den späten Abendstunden bis in die frühen Morgenstunden hinaus. Der Einsatz von Wärmebildtechnik macht die Jagd daher effektiver und sicherer“, erklärt Julia.
„Ich denke generell, dass man erst dann wirklich erkennt, von wie viel Wild man umgeben ist, wenn man mit Wärmebildtechnik arbeitet. Man sieht Dinge, die ohne Wärmebildinstrumente gar nicht wahrnehmbar wären. Im Grunde ist es, als würde man ein Buch aufschlagen, das niemals endet, weil immer neue Kapitel und Themen sichtbar werden.“
Julia Nowak
Wie jedes wirksame Werkzeug in menschlicher Hand muss auch Wärmebildtechnik verantwortungsvoll eingesetzt werden. Dafür wählt Julia einen treffenden Vergleich: „Mit einem Messer kann man Butter auf ein Brot streichen – man kann damit aber auch jemanden töten. Deshalb ist es sehr wichtig, zwischen ethischer Jagd und verantwortungsvollen Jägern einerseits und jenen zu unterscheiden, die Werkzeuge möglicherweise für illegale Zwecke missbrauchen.“ Am Ende beruhen jede Handlung und ihr Ergebnis auf unseren moralischen Maßstäben und Werten.
Tief im Naturschutz engagiert und stets auf der Suche nach neuen Perspektiven zur Steigerung der Wirksamkeit entwickelte Julia selbst eine Methode, um den Nutzen von Wärmebildinstrumenten messbar zu machen. „Während meines Masterstudiums an der Universität und gleichzeitig als Pulsar Ambassador entschied ich mich, den Vorteil zu nutzen, Zugang zu hochwertigen Wärmebildinstrumenten zu haben. Als Ausgangspunkt für das Thema meiner Masterarbeit testete ich eine Standardvariante einer Methode zur Schätzung der Populationsdichte, die tagsüber und mit herkömmlicher Tagesoptik durchgeführt wird. Anschließend wendete ich dieselbe Methode an, habe sie jedoch ‚aufgerüstet‘, indem ich den Tag durch die Nacht und die Tagesoptik durch Wärmebildinstrumente ersetzt habe. Das Thema ist zu umfangreich, um es hier im Detail zu diskutieren, doch das allgemeine Ergebnis war, dass nächtliche Beobachtungen mit Wärmebildtechnik deutlich effektiver waren und eine realitätsnähere Einschätzung der lokalen Populationen lieferten.“
Julia Nowak
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rolle des ethischen Jägers weit über den Abzug hinausgeht. Durch kontinuierliche, sorgfältige Beobachtung werden Jäger zur verlässlichsten Quelle lokaler Wilddaten, die für eine sachgerechte Populationsbewirtschaftung unerlässlich sind. Hilfsmittel wie Wärmebildinstrumente verstärken diesen wissenschaftlichen Beitrag und festigen die Position des Jägers als unverzichtbaren Partner für das Wohlergehen und die nachhaltige Gesundheit der Wildbestände.