Gytis Mikulicius
Expert Contributor:
Gytis Mikuličius
In der modernen Ausrüstung von Jägern nimmt die Wärmebildtechnologie einen wichtigen Platz ein. Indem sie die Beobachtung von Wild auch unter schwierigen Wetter- und Geländebedingungen ermöglicht, stehen Pulsar-Instrumente für eine ethische Jagd: Klare Sicht schafft die Grundlage für präzise und wohlüberlegte Entscheidungen und gewährleistet Sicherheit – sowohl für das Wild als auch für die Jäger.
In diesem Interview spricht Gytis Mikulicius, Maschinenbauingenieur bei Pulsar, über den anspruchsvollen und zugleich inspirierenden Weg, den das Team zurücklegt, um eine erste Idee in ein greifbares, funktionales Produkt für die Anwender zu verwandeln.
Es handelt sich um einen sehr kollaborativen Prozess, sodass der Impuls aus unterschiedlichen Abteilungen kommen kann – darunter Marketing, Vertrieb, Wettbewerbsanalyse oder Entwicklung. Die Marketing- und Vertriebsteams arbeiten direkt mit den Pulsar Ambassadors zusammen. Informationen und Rückmeldungen zu den Produkten erreichen zunächst sie und werden anschließend an uns weitergegeben – an diejenigen, die das Produkt unmittelbar entwickeln.
Wir nehmen dieses Feedback und die Anregungen ernst und bemühen uns stets, sie zu berücksichtigen und Wege zu finden, sie in die Umsetzung einfließen zu lassen. Natürlich ist es nicht immer einfach, bestimmte Wünsche zu erfüllen. Um ein erfolgreiches Produkt zu schaffen, ist Feedback jedoch besonders wichtig. Während des Produktentwicklungsprozesses kann das Büro leicht den Bezug zur Praxis verlieren., wodurch es schwieriger wird, die Stärken und Schwächen eines Produkts klar zu erkennen. Die Menschen, die diese Instrumente unter realen Einsatzbedingungen nutzen, können Unstimmigkeiten deutlich benennen und uns dabei helfen, Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Deshalb ist Feedback stets ein positiver Faktor: Es ermöglicht uns, unnötige Diskussionen zu vermeiden und zügig einen klaren Handlungsplan zur Erreichung unseres Ziels festzulegen.
So bestand bei Pulsar-Instrumenten beispielsweise zu einem Zeitpunkt Verbesserungsbedarf bei einer einfachen, aber entscheidenden Funktion zur automatischen Displayabschaltung. Zuvor war ein Timer von drei Sekunden implementiert. Das bedeutete, dass ein Anwender, der durch das Instrument blickte, drei Sekunden warten musste, bis sich das Display automatisch ausschaltete, bevor er das Instrument vom Auge nehmen, auf ein Ziel anlegen oder andere Handlungen ausführen konnte, ohne bemerkt zu werden. Nach einer Weile bekamen wir die Rückmeldung, dass diese Zeitverzögerung unter realen Bedingungen nicht funktioniert, weil der plötzliche Lichtblitz die Tiere verscheucht. Es stellte sich heraus, dass drei Sekunden zu lang waren, also mussten wir ein Update implementieren, das das Display auf Tastendruck sofort ausschaltet. Im Einsatz kann oft schon der Bruchteil einer Sekunde entscheidend sein.

Zunächst entstehen Ideen in verschiedenen Workshops und Seminaren. Dort treffen wir uns mit vertrauenswürdigen Partnern und Vertretern aus anderen Ländern, prüfen unser Produktsortiment und analysieren die Aktivitäten der Wettbewerber. Aus der gesamten Ideensammlung filtern wir anschließend die wichtigsten Prioritäten heraus: Was setzen wir zuerst um, was kommt als Nächstes – und was kann warten, bis die erforderlichen Ressourcen oder technischen Möglichkeiten für die Umsetzung vorhanden sind.
Sobald Prioritäten und Ressourcen klar sind, beginnt die Arbeit. Wir nehmen eine konkrete Idee, führen eine vertiefte Marktanalyse durch, bewerten die Produkte der Wettbewerber und entscheiden, was wir tun müssen, um überlegen zu sein – in Bezug auf Spezifikation, Kriterien, Preis, Erscheinungsbild, Funktionalität und so weiter. So beginnt der Produktentwicklungsplan: mit ersten Prototypen, aus denen später ein maßhaltiges Modell entsteht, das in der in der Anwendung erprobt werden kann. Entspricht dieses unseren Erwartungen, gehen wir zu noch detaillierteren Arbeiten an den Modellkomponenten (bzw. Baugruppen) über und legen fest, wo sich der Akku befindet, wie die Bedienelemente aussehen, nach welchem Funktionsprinzip sie arbeiten und so weiter.
Anschließend folgt die eigentliche konstruktive Entwicklungsarbeit, deren Ziel es ist, all diese Anforderungen zu erfüllen. Natürlich gelingt das häufig nicht im ersten Anlauf – es sind zahlreiche Iterationen erforderlich. So möchten wir beispielsweise einen leistungsfähigeren Sensor einsetzen, haben dafür jedoch nicht genügend Bauraum. In diesem Fall müssen wir die Komponenten erneut anpassen, einen neuen Schaltplan erstellen und alles wieder neu drucken und testen.
Mitunter fühlt sich dieser Prozess wie zwei Schritte vor und einer zurück an, doch wir bewegen uns dabei kontinuierlich auf das endgültige Produkt zu. Anschließend folgt die Designphase, in der sichergestellt wird, dass das Produkt nicht nur funktional, sondern auch ansprechend gestaltet ist. Die Designer kennen die innere Struktur des Produkts und deren Grenzen bereits genau. Ihre Aufgabe besteht darin, das mechanische System mit einem ästhetisch ansprechenden Gehäuse zu „kleiden“, einen geeigneten Platz für Logo und Kennzeichnungen zu finden, die Oberflächengestaltung ausarbeiten, konstruktiven Aufbau endgültig festlegen und Ähnliches. Mit dem entgültigen Design können wir die detaillierte Dokumentation – die 2D- und 3D-Zeichnungen – freigeben, die für die Fertigung der Bauteile gebraucht werden. Dies erfordert einen erheblichen Aufwand an Zeit und Arbeit.
Abschließend können wir die erste funktionsfähige Kleinserie von bis zu 100 Einheiten auflegen. Anschließend folgt die Testphase, in der wir die Robustheit und Funktionalität prüfen. An diesem Punkt können weitere Verfeinerungen vorgenommen werden: Analog zum Designprozess erfolgt auch der konstruktive Aufbau vor der Serienproduktion in mehreren Zyklen. All dies geschieht, um sicherzustellen, dass das Endergebnis unserem festgelegten Qualitätsstandard entspricht und dass die Marke Pulsar mit einer Premiumqualität verbunden wird, die die Erwartungen der Kunden übertrifft. Sobald die Realisierung eines Produkts abgeschlossen ist, wendet sich das Team dem nächsten Produkt zu und durchläuft denselben Entwicklungsablauf von Neuem.
Zur besseren Verständlichkeit lässt sich der Prozess in Projekte unterteilen, die beispielsweise mit der Einführung eines neuen Smartphones vergleichbar sind: Es ist lediglich eine Aktualisierung vorgesehen (etwa zusätzliche Kameras oder ein leistungsfähigerer Prozessor), während das grundlegende Instrumentenkonzept unverändert bleibt. Ein solches Projekt kann bis zu sechs Monate dauern.
Demgegenüber kann es bei der Entwicklung eines Instruments von Grund auf erforderlich sein, vollständig neu zu beginnen – etwa wenn sich im Designprozess herausstellt, dass es zu schwer wäre. In solchen Fällen kann das Verfahren bis zu zwei Jahre dauern.
Es gab auch Fälle, in denen ein Instrument bereits ausgearbeitet war und ein stimmiges Erscheinungsbild hatte, die Umsetzung jedoch zurückgestellt wurde, weil es als wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll eingeschätzt wurde. Es gab auch Fälle, in denen ein über mehrere Jahre entwickeltes Produkt zu einer Ausstellung mitgenommen wurde und die Vertreter bei einer geschlossenen Besichtigung sagten, dass es nicht gebraucht werde und vorschlugen, es ganz anders zu machen. Ein scheinbar einfaches Produkt von uns, wie der Axion Compact, war beispielsweise auch das Ergebnis mehrerer Versuche.
Im Allgemeinen habe ich festgestellt, dass die Lebensdauer eines Produkts immer kürzer wird. Der Grund dafür ist ganz einfach: Die Konkurrenz. Beispielsweise stützen einige Konkurrenten ihre Fertigung auf das Kopieren bestehender Lösungen. Das Kopieren eines Produkts und die Entwicklung eines Instruments von Grund auf sind zwei grundlegend unterschiedliche Prozesse, die jeweils andere Ressourcen und Zeiträume erfordern. Während sich ein Produkt durch Kopieren innerhalb von nur sechs Monaten realisieren lässt, benötigen wir deutlich mehr Zeit, da wir unsere Instrumente vollständig neu entwickeln. Erfahrungsgemäß ist nach der Markteinführung eines neuen Instruments innerhalb eines Jahres mit einer Reaktion der Konkurrenten zu rechnen. Natürlich bleiben auch wir nicht stehen: Sobald ein Instrument technisch abgeschlossen ist, aber noch nicht in den Verkauf geht, beginnen wir bereits mit der Arbeit am nächsten, das die vorherige Version später ablösen kann.
Die Tests beginnen sehr früh in der Entwicklungsphase. Dabei prüfen wir sowohl die mechanischen Eigenschaften als auch die Software. Bevor externe Personen eingebunden werden, gehen wir selbst nachts hinaus, um das Instrument unter realen Bedingungen zu testen. Für externe Tests arbeiten wir mit ausgewählten, vertrauenswürdigen Personen zusammen, die uns zusätzlich wertvolles Feedback geben.
Ehrlich gesagt sind wir ständig auf der Suche nach dem optimalen Gleichgewicht. Wir arbeiten nicht im luftleeren Raum und berücksichtigen daher auch, welche Lösungen unsere Konkurrenten anbieten. Allerdings sind technologische Grenzen immer ein Faktor, so dass ein Kompromiss gefunden werden muss.
Heutzutage ist ein großes und starkes Team von größter Bedeutung, insbesondere bei unseren Produkten, bei denen die digitale Technologie eine große Rolle spielt. Der mechanische Teil, mit dem ich am meisten zu tun habe, bestimmt, wie und aus welchen Teilen das Produkt zusammengesetzt wird. Der elektronische Teil, der die Arbeit mit Sensoren, Leiterplatten, Displays usw. umfasst, kann in Hardware- und Software-Segmente unterteilt werden. Dieser Bereich wird für die Entwicklung eines erfolgreichen Produkts immer wichtiger.
Jüngstes Beispiel: Konkurrenten nutzen künstliche Intelligenz, um die Bildqualität zu verbessern. Wärmebild-Zielinstrumente arbeiten nicht mit einem einfachen Sensor wie eine Kamera, die ein Bild aufnimmt; vielmehr nutzen sie eine Art Thermometer, bei dem jedes einzelne Pixel die einfallende Wärmestrahlung misst. Naturgemäß ist die Bildqualität nicht mit dem vergleichbar, was man von Smartphones oder anderen optischen Instrumenten gewohnt ist. Um das Bild zu verbessern, müssen zusätzliche Verfahren eingesetzt werden. Es ist bekannt, dass einige Konkurrenten dabei künstliche Intelligenz verwenden, die – sobald sie beispielsweise einen Baum im Bild erkennt – diesen durch das Hinzufügen kleiner Äste detailliert darstellt. Dabei handelt es sich um eine Täuschung, die nicht der Realität entspricht. Da der Nutzer jedoch nicht überprüfen kann, was tatsächlich in der Ferne verborgen ist, entsteht dennoch der Eindruck hoher Qualität. Unerfahrene Anwender können daher schnell zu dem Schluss kommen, dass ein Bild allein aufgrund seines ansprechenden Aussehens qualitativ hochwertig sein müsse. Ich glaube also, dass die Bedeutung der Elektronik nicht abnehmen, sondern in Zukunft noch zunehmen wird.
Das innovativste Instrument ist dasjenige, das noch kommen wird. Das, an dem wir derzeit arbeiten und das noch nicht auf dem Markt ist.
Wählt man jedoch aus dem aktuellen Pulsar-Sortiment, wären es vermutlich die Wärmebild-Ferngläser, da sie technisch besonders komplex sind. Warum? Ferngläser lassen sich als eine Art Plattform verstehen, auf der viele Funktionen integriert werden können. Im Vergleich zu Monokularen, die konstruktiv einfacher sind und beispielsweise etwa 50 Metallteile aufweisen können, kommen Ferngläser leicht auf rund hundert Bauteile. Auch Zielfernrohre verfügen über eine sehr komplexe Konstruktion, da sie den hohen Rückstoßbelastungen beim Schuss standhalten müssen. Entsprechend muss ihre Robustheit so ausgelegt sein, dass sie selbst nach tausend Schuss gewährleistet ist.
Wenn ich mich nicht irre, fiel diese wegweisende Innovation im Bereich der Wärmebildtechnik in Litauen in etwa mit der Finanzkrise von 2008 zusammen. Wie viele andere Unternehmen war auch Pulsar gezwungen, nach neuen, interessanteren Lösungen zu suchen und den Mut zu haben, Risiken einzugehen. Auf diese Weise führten wir – umgeben von Skepsis und Unglauben von außen – Wärmebild-Zielinstrumente ein. Für das Unternehmen war dies ein enormer Schritt nach vorn, da es zu diesem Zeitpunkt praktisch keine Konkurrenz gab. Zweifellos führte dies zu einer starken Verbreitung der Wärmebildtechnologie, die es Konkurrenten ermöglichte, das Konzept zu übernehmen und eigene Varianten anzubieten. Als wir begonnen haben, gab es vermutlich nicht mehr als drei oder vier Unternehmen, die Wärmebildinstrumente anboten; heute lassen sich diese leicht in Dutzenden zählen.
Ich bin jedoch überzeugt, dass in naher Zukunft – sobald der Markt gesättigt ist – eine weitere Phase einsetzen wird, in der die Zahl der Anbieter wieder zurückgeht. Derzeit beobachten wir überwiegend vergleichsweise geringe Weiterentwicklungen. Welche nächste grundlegende Veränderung den Markt eines Tages in ähnlicher Weise erschüttern wird wie einst die Einführung der Wärmebildtechnik, lässt sich derzeit schwer vorhersagen.
Bevor Sie ein Nacht- oder Wärmebildgerät kaufen, vergewissern Sie sich bitte, dass Sie die örtliche Gesetzgebung einhalten und es nur verwenden, wenn es erlaubt ist. Unsere Botschafterinnen und Botschafter kommen aus verschiedenen Ländern und sind viel unterwegs, was ihnen die Möglichkeit gibt, verschiedene Geräte zu testen. Wir fördern oder unterstützen keinerlei gesetzwidrige Nutzung unserer Geräte irgendwelcher Art. Wenn Sie mehr über die Vorschriften bezüglich der Ausfuhr- und Verkaufsbeschränkungen erfahren möchten, besuchen Sie bitte den folgenden Link: Richtlinie für Export- und Verkaufsbeschränkungen.